न यॊनिर नापि संस्कारॊ न शरुतं न च संनतिः कारणानि थविजत्वस्य वृत्तम एव तु कारणम
सर्वॊ ऽयं बराह्मणॊ लॊके वृत्तेन तु विधीयते

Indian

सनातन धर्म

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Tabellarium I
Tabellarium II
Tabellarium III
Tabellarium IV

Nakshatra नक्षत्र
Yoni गुण
Dina गुण

Anmerkungen

Aus der kaleidoskopischen Vielhaftigkeit des Hinduismus sowie jener im Indischen vorliegenden vier Sprachfamilien, weit über hundert Sprachen und noch viel mehr Dialekten resultiert eine Sintflut an Termini, semantischen Relationen und rhetorischen Figuren, linguistisch formuliert insbesondere Synonyma, Tropen [Primärtropen Metonymie und Synekdoche (Grenzverschiebungstropen), Metapher und Ironie (Sprungtropen), Sekundärtropen Periphrase und Antonomasie, Litotes und Hyberbel], ferner Agnomina, Epitheta, Paraphrasen, Konnotationen, auch Metonomasien etc.

Selbst dem Indologen ist es somit ein Ding der Unmöglichkeit, in allen Fällen alle begrifflichen Varianten wiederzugeben, was im übrigen als ein ziemlich sinnfreies Unterfangen bezeichnet werden kann. Wir beschränken uns in unseren Tabellarien nolens volens auf die in der Literatur der westlichen Hemisphäre einigermaßen gepflegten Termini, welche in bester Hoffnung das Sanskrit-Hyperonym repräsentieren.

Schließlich sei aus dem Chinesischen exemplarisch angeführt, daß mancher im Westen usancierte Begriff im Mutterland nicht zwingend so gepflegt wird. Bspw. ist eher vom Zhōuyì als vom Yìjīng die Rede, eher vom Shàngshū als vom Shūjīng.

Transkription des Sanskrit

Sofern nicht anderslautend angeführt, werden auf diesen Seiten alle indischen Termini in Sanskrit संस्कृत und Devanāgarī देवनागरी wiedergegeben.

Die aktuell älteste verifizierte Devanāgarī entstammt dem siebten Jahrhundert AD. Der Terminus bedeutet „Schrift der Stadt der Götter“, womit ausgesagt wird, daß Devanāgarī göttlichen Ursprungs sei. Seit dem elften Jahrhundert ist sie die dominierende Schrift Indiens.

Die Transkription betreffend folgen wir im Wesentlichen dem international gültigen Standard des IAST (International Alphabet of Sanskrit Transliteration).

Kandariya Mahadeo Temple (Khajuraho)

Hinduistisches Tabellarium I

„Der Hinduismus ist einzigartig in seiner philosophischen Tiefe und Großartigkeit. Seine ethischen Lehren sind erhaben, hochentwickelt und nobel. Er ist sehr flexibel und anpassungsfähig für jede menschliche Bedürftigkeit. […] Die Grundlage der Sanātana Dharma ist Shruti; Smritis sind die Wände; die Itihasas und Puranas sind die Stützen und Stärkungen.“

Die schriftliche Fixierung der lange Zeit mündlich tradierten hinduistischen Weisheit, Philosophie und Religiosität erfolgte ab etwa dem 5 Jhd. v. Chr. Typisch für den Hinduismus werden die Schriften (mit Ausnahme der vier Veden) divergierend gereiht (falls überhaupt) und auch unterschiedliche Priorität bzw. Relevanz zugewiesen. Eine verbindliche Reihung des hinduistischen Schrifttums in gewissermaßen lehrbuchhaft thematisch konsekutive Kapitel kann nicht gedacht werden, bspw. zählen viele Upanishaden zum Rig-, Sama- oder Atharvaveda. Doch wie auch immer: Die höchstautoritativen heiligen Schriften der Sanātana Dharma sind die Veden वेद (veda).

Heilige Schriften der Sanātana Dharma सनातन धर्म

Im ersten Schritt werden nun die heiligen Schriften der Sanātana Dharma behandelt. Die folgende, an so einigen Stellen ergänzte Strukturierung nach de.wiki ist als Übersicht zu betrachten und nicht autoritatives Striktum; wie erwähnt existieren auch andere Reihungen. Die angeführten Positionen beinhalten viele weitere umfangreiche Texte diverser Traditionslinien, Schulen et al. sowie u. a. in den Itihasa die großen Epen Bhārats भारत (Eigenname „Indiens“), nämlich das Rāmāyaṇa und das Mahābhārata, dessen Bestandteil die berühmte, aus den Kshattriya-Federn der Bhagavata भागवत geflossene Bhagavad Gītā भगवद्गीता ist. Für viele hinduistische (wie auch buddhistische) Texte liegen keine Übersetzungen vor.

  1. Shruti श्रुति (śruti), „das Gehörte; was gehört wird“ (autoritativ)
    Frühvedische Zeit (Orthodoxer Brahmanismus)
    • Veden वेद, (veda), „Wissen“, „heilige Lehre“
    · Samhita संहिता (saṃhitā), „(Text-)Sammlung(en)“; ca. 1200–900 v. Chr.; älteste Schicht i. e. eigentlicher Kern der Veden
    - Rigveda-Samhita ऋग्वेद (ṛgveda), „Wissen/Hlg. Lehre von den Versen“; Hymnen (ältester Veda)
    - Samaveda-Samhita सामवेद (sāmaveda), „Wissen/Hlg. Lehre von den Gesängen“; Lieder
    - Yajurveda-Samhita यजुर्वेद (yajurveda), „Wissen/Hlg. Lehre von den Opfersprüchen“; Opferformeln; zwei Traditionslinien
    - Vajasaneyi-Samhita वाजसनेयी (vājasaneyī) i. e. Shukla-Yajurveda, शुक्लयजुर्वेद (śuklayajurveda); weißer Yajurveda
    - Maitrayani-Samhita मैत्रायणी (maitrāyaṇī) i. e. Krishna-Yajurveda कृष्णयजुर्वेद (kṛṣṇayajurveda); schwarzer Yajurveda
    - Atharvaveda-Samhita अथर्ववेद (atharvaveda), „Wissen/Hlg. Lehre des Feuerpriesters“; heil- und schutzmagische Formeln
    Spätvedische Zeit (Essenz der vier Veden)
    · Brahmana ब्राह्मण (brāhmaṇa), „was zum Priester gehört“; ca. 800–500 v. Chr.; Ritual- und Opfertexte, Auslegungen
    · Aranyaka आरण्यक (āraṇyaka), „Waldtexte“, Ritualtexte brahmanischer Eremiten
    · Upanishaden उपनिषद् (upaniṣad), „sich in der Nähe niedersetzen [eines Lehrers (Gurus गुरु)]“; ca. 700–500 v. Chr.; philosophische und mystische Lehren
  2. Smriti स्मृति (smṛti), „das Erinnerte; was erinnert wird“ (bedingt autoritativ; kein Konsens bez. Klassifikation)
    • Itihasa इतिहास (itihāsa), „so wahrlich ist es gewesen“; Dichtung und Epen (Rāmāyaṇa रामायण, Mahābhārata महाभारत etc.)
    • Purana पुराण (purāṇa), „alte Geschichte“ (Mahāpurana, Upapurana, Sthalapurana, Jatipurana, Mahatmya)
    · Mahapurana महापुराण (mahāpurāṇa), „große Purana“; die Götter der Trimūrti त्रिमूर्ति umfassend; Brahmā-P. ब्रह्मा, Vishnu-P. विष्णु, Shiva-P. शिव
    · Upapurana उपपुराण (upapurāṇa), „Unter-Purana“; weitere Götter umfassend; Shakti/Devi-, Krishna-, Surya-, Ganesha-Purana etc.
    · Sthalapurana स्थलपुराण (sthalapurāṇa) „Orte-Purana“; auf Tempel, heilige Orte, sakrale Plätze bezogene Purana
    • Sutra सूत्र: (sūtra); „(Leit-)Faden, Kette“; pointiert-essenzielle Exzerpte aus den Veden
    • Dharmashastra धर्मशास्त्र (dharmaśāstra); Gesetzestexte, Recht und rechtes Verhalten
    • Nitishastra नीतिशास्त्र (nītiśāstra); Schriften zu Moral und Ethik, rechtem Benehmen, Diplomatie
    • Vedanga वेदाङ्ग (vedāṅga); „Glied des Veda“; Hilfswissenschaft(en) der Veden
    · Shiksha शिक्षा (śikṣā); Phonetik, Kenntnis der Buchstaben, Artikulation, Sandhiregeln
    · Chandas छन्दस् (chandas); Metrik
    · Vyakarana व्याकरण (vyākaraṇa); Grammatik
    · Nirukta निरुक्त (nirukta); Etymologie, Erklärung wichtiger vedischer Wörter
    · Jyotisha ज्योतिष (jyotiṣa); Astronomie/Astrologie, Kenntnis des vedischen Kalenders
    · Kalpa कल्प (kalpa); Ritual
    • Agama आगम (āgama); zahl- und umfangreiche Schriften zur Verehrung der Götter; Shaiva-, Shakta-, Vaishnava-A. (Pancharatra); Vaikhanasa-, Soura-A. etc.; ggf. als fünfter Veda bezeichnet; gelten als Offenbarung, aus denen sich die tantrischen Lehren ableiten; Agama und Tantra werden oft gleichgesetzt.
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Im zweiten Schritt werden einige in der westlichen Hemisphäre oftmals reflektierte Themata zum Hinduismus behandelt.

Die Trimūrti त्रिमूर्ति resp. Graha mitra ग्रहमित्र der Sanātana Dharma

Guna IAST Farbe Prinzip IAST Element Varṇa IAST
रजस् Rajas Rot / Gelb ब्रह्मा Brahmā Erde क्षत्रिय Kṣatriya / Vaiśya
सत्त्व Sattva Weiß विष्णु Viṣṇu Wasser ब्राह्मण Brāhmaṇa
तमस् Tamas Schwarz शिव Śiva Feuer शूद्र Śūdra

Die Trimurti ähneln entfernt, sind aber nicht gleichbedeutend den Konzepten der trinitarischen Theologie des Christentums. Die Trimurti symbolisieren die Vereinigung resp. Einheit (Oneness) der archaisch-kosmischen Prinzipien der Erschaffung, Erhaltung und Zerstörung, die Aspekte des Brahman ब्रह्मन्, der höchsten hinduistischen Entität, des Urgrundes allen Seins. Es handelt sich in dieser trialistischen Basisformulierung nicht um drei schlechthin differente, sondern kohärente Gottheiten: Brahma zeichnet hier für das erschaffende, Vishnu für das erhaltende und Shiva für das zerstörende Prinzip. Es ist hinzuzügen, daß dies nicht die alleinige Betrachtung insbesondere Shivas und Vishnus ist, welcher erstere seitens der Shaiva शैव als über allen stehender höchster Gott verehrt wird und in dieser Anschauung alle Prinzipien in sich vereint. Gleichsam liegen zu Vishnu seitens der Vaishnava वैष्णव vom Konzept der Trimurti abweichende, mit anderen Worten denominationsspezifische Interpretationen vor, auf welche noch eingegangen werden wird. Bereits im hinduistischen Konzept der Trimurti wird das im Westen mit Schimpf und Schande konnotierte sog. „Kastensystem“, die Varna der Sanātana Dharma, ersichtlich.

Das sog. „Kastensystem“ der Sanātana Dharma (varṇa वर्ण)

Varna Chandra Guṇa/Trimurti Farbe Purusha Assoziation Vergleich Europa
ब्राह्मण
Brāhmaṇa
Cancer, Scorpio, Pisces सत्त्व / विष्णु
Sattva / Vishnu
Weiß Mund Priester und Intellektuelle Lehrstand
क्षत्रिय
Kṣatriya
Aries, Leo, Sagittarius
रजस्, / ब्रह्मा
Rajas / Brahma
Rot Arme Krieger, Adlige, Könige Wehrstand
वैश्य
Vaiśya
Taurus, Virgo, Capricorn रजस्, / ब्रह्मा
Rajas / Brahma
Gelb Schenkel Händler und Kaufleute
(vormals Bauern und Viehzüchter)
Nährstand
शूद्र
Shudra
Gemini, Libra, Aquarius तमस्, / शिव
Tamas / Shiva
Schwarz Füße Künstler, Handwerker, Bauern ...

Die Varna repräsentieren im hinduistischen Verständnis keine ursprünglich so vorgesehene Hierarchie zum Zwecke diskriminierender Unterdrückung, sondern einen im fortlaufenden Niedergang der Yuga etablierten Mechanismus zum Zwecke bestmöglichster Aufrechtererhaltung jener nun in der Tat ursprünglichen Ordnung des Krita-Yuga. Im Goldenen Zeitalter war die Inkraftsetzung der Varna nicht vonnöten. (Cf. Ṛgveda ऋग्वेद 10,90,12 et al.)

Die Weltzeitalter der Sanātana Dharma (yuga युग)

  कृत युग   Kṛta 4 800 Götterjahre = 1 728 000 Menschenjahre Zeitalter der Glückseligkeit Gold
  त्रेता युग   Tretā 3 600 Götterjahre = 1 296 000 Menschenjahre Zeitalter des Feuers Silber
  द्वापर युग   Dvāpara 2 400 Götterjahre = 864 000 Menschenjahre Zeitalter des Mißtrauens Kupfer/Bronze
  कलि युग   Kali 1 200 Götterjahre = 432 000 Menschenjahre Zeitalter des Streites Eisen
  12 000 Götterjahre = 4 320 000 Menschenjahre    

Mehr zu den Yuga unter https://brahmana.net/astrologia/indian/tables/yuga.html

Die zehn Avatāra Viṣnus विष्णु (daśāvatāra दशावतार)

1. मत्स्य Matsya Fisch
2. कूर्म Kūrma Schildkröte
3. वराह Varāha Eber
4. नरसिंह Narasiṃha Menschlöwe
5. वामन Vāmana Zwerg, dann Riese
6. परशुराम Paraśurāma Rama mit der Axt
7. राम Rāma  
8. कृष्ण Kṛṣṇa der Schwarze, Dunkle
9. बुद्ध Buddha  
10. कल्कि Kalki Weißes Pferd

Begriffsdefinition:  अवतार (avatāra) → „Abstieg“, i. e. das Hinabbegeben, Inkarnieren eines göttlichen Prinzips

Besonders nach der Lektüre der Bhagavad Gītā भगवद्गीता taucht immer wieder die Frage auf nach Krishna oder Vishnu, Vishnu oder Krishna und wer denn nun wessen und die wievielte Inkarnation sei. Die Entgegnung „Krishna wird meist als achte Inkarnation Vishnus verehrt“ beantwortet die Frage nicht wirklich. Die obige Reihung formuliert eine mögliche Reihung der Daśāvatāra दशावतार, der zehn Inkarnationen resp. Manifestationen oder auch Hypostasen Vishnus. Dem Hinduismus wesenstypisch differieren jedoch die Lehren zur Reihung der Avatāra, Yugāvatāra युगावतार etc. in den vaishnavitischen Schriften, Strömungen und Denominationen. Konsens besteht, daß Kalki zum Ende des Weltalters erscheinen wird. Kein Konsens besteht, ob Krishna nun die siebte oder achte […] Inkarnation Vishnus war. Darüber hinaus finden sich Glaubensgemeinschaften, welchen sich die Avatāra-Frage nicht stellt, da sie Krishna an sich als höchste Gottheit betrachten. Wichtig zu wissen ist, daß es sich bei den Daśāvatāra um eine aus der hinduistischen Theodizee heraus entwickelte brahmanische Soteriologie handelt.

Wir wollen nun dieses erste Tabellarium zur Sanātana Dharma in einer sehr schönen Visualisierung der Avatāra Vishnus ausklingen lassen. Herzlichen Dank der University of Pennsylvania und Palatino Press!

Under the terms of Creative Commons License 2.5
Source: University of Pennsylvania and Palatino Press

The Avatars of Vishnu

A complete palm leaf manuscript in 65 full page color plates

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