Kommentar
Die Problematik der hier angestrebten Fusion liegt in den nahezu unzugänglichen und zudem keinesfalls einheitlichen Quellen tradierter Spiritualität indigener Völker jener dankenswerterweise ja nun „Neuen Welt“ – sofern diese Jahrhunderte nach dem nicht in Worte zu fassenden, ungeheuerlichen Genozid, der einhergehenden Zerstörung kulturellen wie spirituellen Gutes sowie der darauf folgenden erheblichen Vermischung mit Metaphysik externer Ethnien überhaupt noch vorliegen sollten. Fakt ist, daß die autochthone Metaphysik des heutigen Amerika nur noch in Fragmenten besteht, nur noch Wenige tiefere Kenntnis davon besitzen und das Szenario von wild wucherndem, mystifizierendem Eklektizismus überlagert wird. Schlußletztlich ist davon auszugehen, daß die große Majorität noch wissender Nachfahren überlebender Ahnen des Massakers aus nachvollziehbaren Gründen nicht daran interessiert ist, ihr Spirituelles ausgerechnet dem Weißen Mann auf dem Silbertablett zu offerieren.
Ceterum censeo, von Seiten des in 1992 verblichenen Vincent LaDuke vermutlich gut gemeint, jedoch nicht zum erwünschten Ziele führend, war oder ist seine äußerst naive und eben nicht von exponierter Erkenntnis kundende Ambition, „den Weißen einen Schlüssel zur Wiederverbindung mit Mutter Erde in die Hand zu geben“ – wo doch das materielle Prinzip in der vorherrschenden Zeitphase in einer solch vehement aus dem Ruder gelaufenen Weise dominiert, daß es vielmehr gilt, eine Versöhnung mit dem Himmel zu erreichen, um das aufgrund allzu irdischer Orientierung bestehende eklatante Ungleichgewicht, hervorgerufen durch die Verdrängung des Wirklichen und dem unvermeidlich daraus resultierenden Selbstvernichtungsmechanismus, wieder ins Lot zu bringen.
CR 121005 10:45h GMT+02:00
Deinde scriptum
Es ist im Ethnologischen in sehr vielen Fällen schwierig bis heikel, von unverwechselbarer eigenständiger Kultur zu reden. Beispielsweise kann bei den Nivchi, ostsibirischen Ureinwohnern, deren Ursprung unbekannt ist, von einer solchen gesprochen werden. Der Schamanismus indigener Völker des heutigen Amerika hinwiederum weist starke Parallelen zum asiatischen Schamanismus auf und hat mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit seine Wurzeln in diesem Raum, welche Theorien zufolge offenbar in archaische Zeiten zurückreichen, als die Kontinentalplatten noch nicht getrennt waren. Andere Theorien sprechen von frühzeitlichen Wanderbewegungen der Völker, präkolumbischen Fahrten oder dem versunkenen Atlantis als u.a. spiritueller Wiege der Menschheit, worin wieder andere eher Asien, Afrika oder gar Außerirdische vermuten. Eine Rekonstruktion archaischer kultureller Provenience ist in jedem Falle höchst aufwändig. Wo die Ursprünge liegen, ist und bleibt bis auf Weiteres umstritten, eine detaillierte retrospektive Explikation mit bekannten, speziell wissenschaftlichen Mitteln und Methoden unmöglich. Bezüglich jeweiliger regionaler Orientierung lässt sich neben zahlreichen primär archäologischen Relikten noch praktizierter, jedoch vielerorts bekämpfter, wünschenswerterweise authentisch tradierter Schamanismus nachweisen. Aber wie auch immer: Vieles ging verloren, vieles liegt im Verborgenen, vieles verbleibt im Spekulativen.
„Nichts trennt die Völker mehr als kulturelle Arroganz, kultureller Hochmut; nichts verbindet sie mehr, als Kenntnis von und Respekt für die anderen. Es relativiert nicht die Bindung an die eigene Kultur, im Gegenteil: Es bestärkt die Zuneigung zur eigenen Wurzel.“
Richard von Weizsäcker, 10.04.1987
CR 121012 19:15h GMT+02:00
Schlußwort
Zwölf Jahre nach dem Verfassen obigem Artikels nun folgende, die unseriöse Thematik abschließenden Worte:
Abgesehen von einem zeitweisen und nicht sehr intelligenten Hype um zum Frosch-Clan zählende Spechte und zum Donnervogel-Clan zählende Lachse brachte Vincent LaDuke nichts hervor. Nur bei einigem Sarkasmus kann dessen schräger Showeinlage eine bestenfalls leidlich belustigende Komponente abgerungen werden, und in gerüttelt Maß Naivität muß schon vorliegen, um dergestaltigem auf den Leim zu gehen. Wenig überraschend war der Vorgang auch der Sache der indigenen Bevölkerung Nordamerikas nicht dienlich. Sofern nun seine Intention tatsächlich als eine im grundsätzlich Wohlmeinenden gründende betrachtet werden kann, sollte oder müsste, so ist unvermeidlich bereits der Versuch, einer raubtierkapitalistischen westlichen Unkultur einen Schlüssel ausgerechnet zur Materie überreichen zu wollen, als erleuchtungshistorisch ziemliche Spitzenleistung umtriebiger Uninspiriertheit zu rubrizieren.
Was denn könnte sonst noch daher euphemisiert werden, um sein Treiben zu rechtfertigen? Wenigstens das Astrologische, wenn auch verballhornt, ins kollektiv Bewußte einfach gestrickter Denker gehoben und/oder dort wachgehalten zu haben? Gut gedacht, schlecht gemacht? Immerhin …
Bei weniger verklärter Betrachtung muß insbesondere angesichts der seitens seines Volkes zornigen, objektiv sehr wohl korrekten und keinesfalls unangebrachten Kritik vs. LaDuke’s dubiosen Aktivitäten (Expropriation of Indigenous Spiritual Tradition, Huckster, Plastic Medicine Man etc.) von einem der vielen weiteren wieder und immer wieder auftretenden betrügerischen Gaukler ausgegangen werden, deren wesenstypisch eigennütziges und sicher nicht hehren Zielen verbundenes Movens neben dem Sichbereiten einigen Selbstvergnügens und der ihnen sehr wichtigen und wiederum materialen Selbstbereicherung majorativ in der selbstgefälligen Selbstdarstellung ihrer zweifelhaft disponierten Persönlichkeit und jener stets damit einhergehenden infamen Charakteristik zeitigt, die edlen Pferde der Wahrheit zugunsten ihrer gerne schmierenkomödiantisch dargebotenen Selbsterhöhung verschlagen grinsend zu Schanden zu reiten.
Im Profanen zu jonglieren ist eine Sache. Sich am Heiligen zu vergreifen eine andere.
Dem Pöbel spielt es keine Rolle. Panem et circenses.
CR 240206 22:20h GMT+01:00
Zu LaDuke

Vincent LaDuke aka Sun Bear
* 31.08.1929, White Earth Indian Reservation, USMN
† 19.06.1992
Std. | unbekannt
Tag | 戊申 (wù shēn) | Erd-Affe
Monat | 壬申 (rén shēn) | Wasser-Affe
Jahr | 己巳 (jǐ sì) | Erd-Schlange
Winona LaDuke (Tochter Vincent LaDuke’s)
* 18.08.1959, Los Angeles, USCA
Std. | unbekannt
Tag | 壬申 (rén shēn) | Wasser-Affe
Monat | 壬申 (rén shēn) | Wasser-Affe
Jahr | 己亥 (jǐ hài) | Erd-Schwein
Zu LaDuke’s nichtindigener und nicht minder umtriebiger Geschäftspartnerin Marlise James aka „Wabun Wind“ oder „Wabun“ wird in diversen einschlägigen Publikationen nur das Geburtsjahr 1945 angegeben.
▷de.wikipedia/Vincent_LaDuke